Abenteuer voraus!

In der Schule, ich glaube es war in der achten Klasse, sollten wir alle eine große Kollage im Kunstunterricht anfertigen. Es sollte eine Art „Klassenstadt“ werden, jeder hatte sien eigenes Haus und gemeinsam haben wir dann die Stadt entworfen. Unsere individuellen Häuser sollten unsere Charaktere darstellen und durften ganz nach unseren Wünschen gestaltet werden. Einer meiner engsten Freunde, Matthias, und ich haben damals beschlossen, gemeinsam in ein Haus zu ziehen. Jeder hatte sein eigenes, nur wir zwei tanzten wieder einmal aus der Reihe. Unser Haus wurde groß und schön und stand mitten in der Stadt. Wir wohnten im ersten Stock, vor den Fenstern Blumenkästen und eine herrliche Aussicht. Im Erdgeschoss hatten wir eine Konditorei vorgesehen. Über den großen Schaufenstern, in denen selbst gemachte Lollis und Kuchen standen, hing ein großes Schild, auf das Matthias „Konditorei Schleckermäulchen“ geschrieben hatte. Im Laufe der Kunststunden, die wir mit unserer Stadt verbrachten, wollte ich Matthias die Wohnung über der Konditorei überlassen und bastelte ein Segelboot, das auf einem Trockendeck stand und etwas abseits lag.

Das ganze ist jetzt etwa vierzehn Jahre her. Wir haben mittlerweile studiert: Matthias Lehramt und ich Französisch und noch einiges anderes. Über einer Konditorei wohnt er nicht und ich nicht in einem Segelboot auf dem Trockenen. Doch eine Sache wird sich nach all den Jahren vielleicht doch erfüllen. Vor einem halben Jahr habe ich mich für eine Ausbildungsstelle zur Konditorin in Wien beworben. Ich habe dreizehn Bewerbungen in die Wiener Konditorenwelt hinausgeschickt. Zwei Tage später wurde ich früh von einer ausländischen Nummer aus dem Schlaf geklingelt, naja es war zehn Uhr morgens, aber für mein Studentenleben echt zeitig. Eine Frauenstimme am anderen End teilte mir mit, dass sie mich kennen lernen wollen und ich bescheid geben soll, wenn ich mal wieder in Wien bin. Ich war total aus dem Häuschen. Irgendjemand fand meinen Wunsch, mit 26 ein Ausbildung anzufangen, nicht vollkommen abwegig. In den darauffolgenden Wochen kamen fast nur Absagen, per Mail oder auch auf dem Postweg.

Im Februar habe ich drei Tage Probe gearbeitet. Ich wusste, dass es eine harte Arbeit sein wird, dass es unmenschliche Arbeitszeiten sind und man immer im Hintergrund bleibt. Aber es hat mich nicht abgeschreckt. Ab September werde ich in der Hauptstadt der Mehlspeisen in ihre Geheimnisse eingeweiht werden. Ich werde in der Backstube alle Massen und Teige, Crèmes, Füllungen und Glasuren kennen lernen, und auf der Schule den Rest. Es wird eine anstrengende und aufregende Zeit!