Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

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Eigentlich bin ich weniger ein Freund des Gedichts, das die Deutschen vor Jahren in einer Umfrage zu ihrem Lieblingsgedicht gewählt haben, aber nichts desto trotz musste ich dieser Tage oft daran denken. Oft wird der Abschied von einem Ort, einem Lebensabschnitt und auch lieb gewonnenen Personen durch den Zauber des Anfangs vereinfacht oder vielleicht eher überdeckt. Die letzten Jahre habe ich in deutschen mittel großen Universitätsstädten verbracht. Der Umzug nach Wien ist also ein Abenteuer in vielerlei Hinsicht: eine vollkommen neue Arbeit, eine vollkommen neue Stadt, ein vollkommen neues Land.

Der in Hesses Gedicht beschriebene Zauber beschreibt die Magie und den Reiz des Neuen, die Energie und Lust, sich in etwas Unbekanntes zu stürzen, den Kitzel des Unvorhersehbaren. Dieser Zauber hat sich in meinem Fall noch nicht so recht eingestellt. Bevor ich morgen meinen ersten Arbeitstag habe, musste ich einen Marathon an Behördengängen machen. An den verschiedensten Stellen stellte sich schnell die Frage, wer war eher da, Henne oder Ei. Ich dachte immer, wir Deutschen sind die Weltmeister der Bürokratie. Österreich lehrt mich gerade eines besseren. Gut möglich, dass ich als nicht-österreichischer Staatsbürger natürlich mehr Papiere brauche als in Deutschland.
20150913_18093220150913_180333Letztendlich habe ich den Teufelskreis der Bürokratie durchbrochen: Der erste Dreh- und Angelpunkt ist der Meldezettel. Den Meldezettel brauche ich für die Berufsschule, den Lehrvertrag und dem Bankkonto. Den Lehrvertrag bekomme ich erst, wenn ich arbeite und sinnvollerweise sollte ich da bereits ein Bankkonto angeben können. Die Berufsschule war erstaunlicherweise relativ unbürokratisch: Ohne die vollständigen Unterlagen, allerdings nicht ganz ohne, konnte ich mich dennoch schon einschreiben. Beim Bankkonto und Handyvertrag allerdings wird es richtig kompliziert. Das ist die Henne-Ei-Frage in Reinkultur: Ich habe ein Onlinekonto abgeschlossen, dass ich über eine Handypin benutzen kann. Diese Pin kann allerdings nur an eine österreichische Nummer geschickt werden. Einen Handyvertrag kann ich allerdings nur mit einem österreichischen Konto abschließen und – jetzt wird es umständlich – nur wenn ich eine „Bescheinigung des Daueraufenthaltes für EWR- und Schweizer BürgerInnen“ habe. Diese Bescheinigung bekomme ich nur auf einem bestimmten Amt, das natürlich die üblichen Öffnungszeiten hat, zu denen man normalerweise arbeiten muss, und ich bekomme sie nur mit dem Lehrvertrag.

Ende dieser Woche sollte ich vollständig in den Wiener Alltag integriert sien, mit Arbeitsplatz, Handy, Bankkonto und einer Meldebescheinigung.

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