Ein Traum in Rosa

von melle.sophie

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Träume und Erinnerungen haben die Eigenart sich mit der Zeit zu verändert, zu verschwimmen und zu verblassen. Und bevor dieses Schicksal auch meine Erinnerungen an den Zuckerbäckerball im Januar vollends ereilt, will ich diese Mosaikteile wieder zusammensetzen.

Mein letzter Beitrag endete damit, dass wir unser Schaustück aufgebaut hatten und zurück nach Hause gefahren sind, um uns hübsch zu machen. Eigentlich wollte ich mich auch noch einmal kurz ausruhen, aber dazu reichte natürlich die Zeit nicht mehr. Die Sachen, sowohl Arbeitsgewand als auch Ballgewand, mussten gepackt, die Haare gemacht und auch eine Spur Puder sollte über die Haut gepinselt werden.

Um unsere Berufsschule bei dem Ball zu helfen, haben wir drei, das Trio infernale bestehend aus meiner Marille und unserer Freundin Jule, uns bereit erklärt, am Stand mitzuhelfen. Die Berufsschule für Lebensmittel, Tourismus und Zahntechnik sollte dieses Jahr das erste Mal vertreten sein. Unsere Aufgaben sollten es sein, Zuckerl herstellen, Lebkuchen verzieren und Mandeln dragieren.

Neben all den Debütanten und Tourismusschülern schlüpften wir in der Garderobe in unsere Arbeitskleidung. Die Aufregung stieg, als wir zurück in die Eingangshalle kamen, denn der Schulstand befand sich genau gegenüber der Schaustücke. Bevor wir ins Backstage gingen, warfen wir einen Kontrollblick auf unsere Arbeiten und die Jury, die gerade am Bewerten war. Kurz bevor die ersten Gäste eingelassen wurden begannen wir mit den Vorbereitungen. In der Schule hatten wir alles geübt: den Zucker für die Zuckerl kochen, die Aromen und Farben zugeben und die Arbeitsteilung beim Durchdrehen der Zuckerstücke durch die antike Bonbonmaschine.

Der Strom an Ballgästen riß nicht ab, denn schließlich hat der Zuckerbäckerball mittlerweile gut dreieinhalb tausend Gäste. Jeder kam bei uns vorbei und schaute uns interessiert zu und durfte die Kleinigkeiten kosten. Gegenüber wurden die essbaren Kunstwerke bewundert und fotografiert. Kurz vor Ende unserer Schicht, die glücklicherweise nur zwei Stunden dauerte, kamen unsere Begleiter.

Nachdem unsere Ablösung erschien, haben wir uns schließlich wie Aschenputtel von der Küchenmagd zur Prinzessin verwandelt. Gegenseitig haben wir uns die Reißverschlüsse geschlossen, die Halsketten umgelegt und die Strapse befestigt. Und um die Transition von Backstage zu Bühne zu feiern, köpften wir eine Flasche Prosecco. Erleichtert und angeheitert stürzten wir uns in das Ballgeschehen. Nach dem ersten Erkunden der verschiedenen Ballsäle und einer Erfrischung an einer der Bars stellten Marille und ich unsere Tanzfiguren nach.

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In den nächsten zwei Stunden sprangen wir zwischen dem Foyer, dem Hauptsaal und den anderen Sälen herum. Ein gelegentlicher Kontrollblick auf die Schaustücke ließ die Spannung bis zur Preisverleihung um Mitternacht weiter steigern. Aufregung und Alkohol taten ihr übriges, dass die Stunden zu schnell und zu langsam zugleich vergingen.

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Zur traditionellen Mitternachtsquadrille fanden wir uns alle im großen Ballsaal ein. Da ich eine gewisse Abneigung gegenüber Menschenmengen habe, ließ ich diesen Part aus. Danach stieg die Spannung, denn der Junior Cake Master Award wurde angekündigt. Der Moderator hielt eine Einführung und einen Plausch mit den Vertretern der Innung, während wir ganz hinten im Saal uns gegenseitig triezten. Um Jules Kommentaren zu kontern, meinte ich, sie solle sich doch langsam nach vorn bewegen, denn sie würde ja ohnehin aufgerufen werden. In einem regen Schlagabtausch verpassten wir fast das Aufrufen des dritten Platzes: „Und der dritte Platz bei den Lehrlingen geht an ….. Sophie Schinko vom Café Diglas!“ Ich konnte es kaum glauben. Nachdem ich sowohl Kamera als auch Tasche losgeworden bin, kämpfte ich mich durch die Zuschauer auf der Tanzfläche. Vollkommen überrascht und überwältigt stieg ich die Stufen hoch, zwei Innungsvertreter, der Moderator und eine opulent gekleidete Dame empfingen mich. Sie hielt die Urkunde des dritten Platzes in den Händen, auf der „Marlene Lumpi“ stand, der Name meiner Marille. Der Moderator stellte mir ein paar Fragen, die ich überrumpelt beantwortete – so recht erinnern kann ich mich nicht mehr. Doch auf Bitten, gab er mir das Mirko und ich rief Marlene auf die Bühne, denn nicht nur stand ihr Name auf der Urkunde sondern auch, weil unser Schaustück nur als Teamarbeit gewürdigt werden konnte. Ich sah sie von ganz hinten hersprinten und kaum lagen wir uns in den Armen und hatten die vertrauten Gesichter unserer Klassenkameradinnen im Publikum gesehen, stand Jule vor uns. Ohne es mitbekommen zu haben, wurde ihr der zweite Platz verliehen. Wir drei umarmten uns fassungslos und nahmen kaum noch den Rest der Preisverleihung wahr. Nach dem Aufstellen für die Fotos sind wir wieder in der Menge verschwunden. Stolz wie Oskar präsentierten wir dann unseren Begleitern und später unseren Lehrern die Urkunden.

 

 

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Nachdem die erste Überraschung und Euphorie abgeklungen waren, haben wir uns auf die Tanzfläche der Disko gestürzt. Zwischen der einen oder anderen Erfrischung und einem gelegentlichen Blick auf die Schaustücke, die zunehmend unter der Wärme und den den Scheinwerfern litten, verflog die Zeit wie im Flug.

 

 

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Direkt vom Ball ging es für meine Gesellin, die mit uns auf dem Ball war, und mich direkt in die Arbeit. Glücklicherweise konnte ich noch eine Dreiviertelstunde auf einer Bank im Café schlafen, bevor mich der Alltag wieder einholte.

Tage später lüftete sich das Geheimnis, weshalb Marlenes Name auf der Urkunde stand und ich aufgerufen wurde: Es war ein Versehen des Moderators, der sich in der Zeile geirrt hatte. Aber da die Punktzahlen so dicht waren, es sich um eine Gemeinschaftsarbeit gehandelt hat und ich eben mitaufgerufen worden war, wurde mir ebenfalls der dritte Platz verliehen. Die Preise haben wir uns geteilt und damit die Ausgaben für das Schaustück wieder eingespielt. Doch besonders stolz sind wir eigentlich darauf, dass wir ohne sonderlich viel Hilfe und mit überschaubarer Übung dieses Schaustück geschafft haben. Es stimmt uns zuversichtlich für die bevorstehenden Prüfungen.

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